Die Welt wie sie uns gefällt

Wenn man Kinder bekommt, ändert sich alles. Auf einmal lebt man nicht mehr nur für sich. Mit meinem ersten Kind kamen viele Fragen und Gedanken, gleichzeitig oft auch Wut auf die Welt und das was ist, weil es mir unveränderlich schien. Das Leben in Schranken, nur erfüllt vom Müssen (obwohl es in Wahrheit auch Wollen enthielt), fühlte sich mehr und mehr wie eine Verleumdung meines tiefsten Seins an. Jeden Tag aufs neue Dinge zu unterdrücken, die ich immer klarer in mir fühlte, wurde zunehmend schwerer. Doch irgendwie wuchs ich auch daran, mit jedem Nein, dass ich in mir eigentlich als Ja fühlte oder umgedreht, bäumte sich mein Ich innerlich immer höher auf und gewann zunehmend an Bewusstsein und Kraft. Ich wollte was tun, was verändern, ich wollte meinem Leben einen Sinn geben. Ich wollte dazu beitragen, dass die Welt ein besserer Ort wird. Ich wollte losgehen, mich auf den Weg machen, ganz egal wie weit das Ziel entfernt schien und wie viele Steine auch kommen würden.

Ich habe mein Leben immer bewusster ergriffen, habe hingefühlt und ausprobiert, mir selbst mehr und mehr vertraut und langsam einen Fuss vor den anderen gesetzt. Angefangen bei Ernährung über Energieverbrauch, Plastikmüll und Konsumverhalten, habe ich Stück für Stück mein Leben umgekrempelt. Und auch wenn ich noch längst nicht im Idealfall angekommen bin, so bin ich doch stolz auf jeden einzelnen Schritt. Kein Fleisch! Keine unnützen Elektrogeräte! Keine Plastikzahnbürsten! Stattdessen regionales und saisonales Gemüse und Obst, ein gutes Küchenmesser und Bambuszahnbürsten. So geht es weiter und weiter und immer wieder wird auch nochmal revidiert und wieder nach Alternativen und ganz anderen Wegen gesucht.

Als Kindergärtnerin habe ich geglaubt, all das Gute, das Schöne und das Wahre in die Herzen von vielen Kindern pflanzen zu können. Nach drei Jahren Gruppenleitung, das heißt alleine mit bis zu 15 Kindern zwischen 3 und 6 Jahren den Tag zu gestalten, war endgültig Schluss mit diesem Glauben. Selbst wenn ich kein eigenes Leben gehabt hätte, wenn ich meine gesamte Zeit und Energie für meinen Job hätte ergeben können, es war in dem vorgegebenem Rahmen unmöglich. Bei all den täglichen Handlungen, den anfallenden Tätigkeiten um Haus, Garten und die Feste, bei Vorschularbeiten, ach! einfach bei allem was man so tut, wurde eines immer deutlicher: Ich kann nicht einem einzigen Kind irgendwas beibringen, nichts lehren und auch nichts pflanzen in ihm! Es sei denn, dass Kind selbst will es. Es hat mich ausgesucht, mich gefragt oder mich um Hilfe gebeten, nur dann besteht überhaupt die Möglichkeit zum lernen, vorausgesetzt ich gebe ihm genau das wonach es sucht, nicht mehr und nicht weniger. Ich würde sagen, dass meiste was sie lernen, vielleicht sogar alles, lernen Kinder durch Erfahrung, durchs erfahren. Dafür gibt es unzählige Wege, durch Schauen und Beobachten, durch Ausprobieren oder auch durch Fragen und Zuhören. Doch allem Voraus geht der Wille des Kindes etwas wissen oder können zu wollen. Ich kann durch mein Sein, wenn es authentisch ist, vielleicht bei dem einen oder anderen das Interesse wecken, den Willen ein bißchen kitzeln, aber das funktioniert eben nur, wenn ich tatsächlich Feuer und Flamme für diese Sache bin. Doch die Kinder im Kindergarten haben sich mich nicht ausgesucht. Sie haben sich, wie alle Kinder, ihre Eltern ausgesucht!

Ich will immer noch die Welt besser machen, aber anstatt vielen Kindern vielleicht ein bißchen was mitgeben zu können, versuche ich nun meinen eigenen Kindern alles zu geben. Mit ihnen das Leben zu gestalten, die Welt wie sie uns gefällt, wie wir sie uns wünschen. Und damit haben wir gut zu tun! Wir müssen bei uns anfangen, jeder bei sich!

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