Weiter geht’s…

Nun haben wir uns verabschiedet, alle Sachen wieder eingepackt und fest gegurtet. Der Düdo läuft und wir mit ihm Richtung Süden…
Nach einer Nacht auf einem Campingplatz in den Bergen und dem ersten richtigem Regen seit wir hier sind, haben wir uns aufgemacht in das kleine Dorf Landeira. Es ist ein altes Dorf mitten in den Bergen umgeben von Terrassen mit den Gärten der Dorfbewohner. Hier stehen viele sehr alte Natursteinhäuser, gemauert aus Naturstein und ohne Mörtel, echtes Handwerk vergangener Tage. Ein Freund hat uns verraten, dass sich unten im Tal eine Gemeinschaft befindet und so laufen wir einen steinigen Weg den Berg hinunter, vorbei an den Terrassen, hinein in die Natur. Und auch wenn ich nicht drum herum komme, daran zu denken, dass wir alles wieder hochlaufen müssen, genieße ich den Ausblick und den Duft von regengetränkter Walderde. Für die Kinder ist so eine Wanderung wie ein kleines Abenteuer, überall gibt es etwas zu entdecken. Irgendwann sehen wir ein erstes Haus im Tal und dann wird immer mehr sichtbar, ein Pavillon, ein Garten und plötzlich sind wir mittendrin. Es ist wie ein geheimer Ort. Hunde bellen und kündigen unsere Ankunft an, doch leider lässt sich keine Menschenseele blicken. Und so akzeptieren wir den kurzen Blick auf eine Möglichkeit des Zusammenlebens und kehren um, den Berg hinauf und zurück zum Auto.
Wir fahren weiter zu einem kleinen Biohof in der Nähe von Viseu von einem deutschen Paar. Die Sonne ist schon untergegangen und so bleibt der Hof zunächst verborgen. Dafür gibt es frische Maronen und selbstgemachten Traubensaft in der urigen Stube unser Gastgeber. Und wieder kommen wir dem Leben hier näher, wir reden über ihren Weg, unsere Pläne und die Waldbrände. Am nächsten Morgen sehen wir den Hof, Hanglage mit Blick auf einen großen See, umgeben von Wald und Grün. Wir dürfen helfen bei der Olivenernte, bzw. bei der Reinigung. Mehrere große Bottiche voll mit den schwarzen Früchten warten auf uns. Einmal durchschauen und alle Oliven lösen, die noch an Zweigen hängen und dann dürfen sie eine kleine feuchte Rutsche hinunter rollen, an der Blätter und kleine Reste kleben bleiben, während die Oliven unten auf einer Plane landen. Von dort geht es in eine Badewanne voll mit Wasser, das Wasser kommt vom Bach und läuft stetig hindurch, so bleiben die Oliven frisch bis die Ernte fertig ist und es zur Presse geht. Wir alle sind beschäftigt und mit Eifer dabei und auch, wenn spürbar war, dass wir unseren Gastgebern zu langsam waren, wurden wir am Ende gelobt für unsere gründliche Arbeit. Für uns war es vor allem schön, dass wir gemeinsam etwas machen konnten und jeder beteiligt war. Das ist etwas auf das ich mich sehr freue, gemeinsam als Familie etwas zu schaffen!

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Leider gab es hier keinen Strom für unsere Heizung und so wurden die Nächte oder vor allem der Morgen recht kühl. Wir entschieden uns weiter zu fahren zu einem anderen Hof. Dieser befand sich ebenfalls an einem Hang, sehr steil mit größeren und kleineren Terrassen und überall ragten Felsen hervor, ein Kletterparadies für unsere Kinder. Es gab Olivenbäume und einige Korkeichen, aber weniger dichten Wald. Wir hatten einen wundervollen Blick über die bergige, felsige Landschaft und den Fluss Mondego im Tal. Der Hof steckte im Gegensatz zum ersten noch in den Kinderschuhen, doch unser Gastgeber war sehr aufgeschlossen. Er teilte alles mit uns und so kochten wir gemeinsam, aßen zusammen, spielten und redeten sehr viel über das Leben. Wir bekamen auch hier wertvolle Tipps, wie man sich gegen das Feuer schützen kann und einen kleinen Einblick in die Baumzucht. Wir verbrachten zwei interessante Tage, doch da unsere Heizung auch hier still stand, zog es uns weiter.

Wir fuhren zu einer Familie, die dieses Jahr ein Grundstück gefunden und gekauft haben. Als wir ankamen standen mehrere Wohnwagen in einem Kreis und viele Kinder kamen angelaufen. Und diesesmal überraschte Elias mich! Normalerweise ist er schüchtern und braucht sehr viel Zeit um fremden Menschen, egal ob Erwachsen oder Kind, begegnen zu können. Er schien sich fast zu freuen. Und auch wenn er nicht gleich den direkten Kontakt suchte, hatte er sofort einen Plan – er wollte für alle eine Schatzsuche machen. Er begann Zettel mit kleinen Reimen zu schreiben, rannte draussen umher um besondere Stellen zu finden und überlegte sich, was es am Ende geben könnte. Irgendwann als er fertig war, fragte ihn ein Junge ob er mit Fangen spielen würde und er willigte tatsächlich ein. Es erfreut mein Herz! Und ich bin sicher, dass es die Freiheit ist, die ihn wachsen lässt, die ihn sich finden lässt. An irgendeinem Morgen in dieser Zeit rannte er vor dem Auto rum und sang „Die Welt ist schön! Das Leben ist schön!“ (Er dichtet immer häufiger eigene Lieder oder singt seine Gedanken.) und das ist genau das Gefühl was ich mir wünsche für meine Kinder!

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